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Tempelhof im Wandel der Geschichte |
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Die Geschichte
des B.F.C. Germania 1888 |
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Als der 17jährige
Paul Jestram am 15. April 1888 mit seinen drei Brüdern
und 30 Gymnasiasten im elterlichen Haus den Berliner
Fußball-Club Germania gründet, ahnt keiner von ihnen, daß
dieser Verein 119 Jahre später das Prädikat »Ältester
deutscher Fußball-Club« tragen wird. Vom Fußballteufel
gepackt, beschäftigen sie andere Dinge. Überhaupt noch nicht
»in« ist das Gekicke mit dem runden Leder. In Berlin wird es
seit etwa 1880 betrieben - zunächst auf dem Tempelhofer Feld.
Sportplätze gibt es nicht, und die »Engländerei« stößt bei
Schulmeistern, Lehrherren und Vorgesetzten im Beruf auf
Widerstände. Eltern, die sonntags mit Kind und Kegel auf dem
südlich vor der Stadt gelegenen weitläufigen Gelände Erholung
suchen, halten ihre Schützlinge von den Orten fern, wo der Ball
getreten wird. Natürlich gibt es Ausnahmen. Die jungen Männer,
die den BFC Germania ins Leben rufen, Schüler des Askanischen
Gymnasiums, werden schon geraume Zeit von Vater Jestram, einst
ein Turner, tatkräftig unterstützt. Er stellt Ball, Stangen,
Geräte und Fähnchen zur Verfügung. Neben dem Fußball widmen
sie sich dem Cricket, dem Schleuderball sowie dem Laufen, im
Winter dem Schlittschuhsport. |
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Paul Jestram
(Gründungsmitglied) |
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Von Anfang an waren
Schüler des Askanischen Gymnasiums unter denjenigen, die,
inspiriert von in Berlin weilenden jungen Engländern, auf dem
Tempelhofer Feld Fußball spielten, ebenso Schüler des
Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums (Kochstraße) und anderer in der
Nähe des Kreuzbergs gelegener Schulen. Bereits 1883 war der
Berliner Cricket-Club gegründet worden, der auch das
Fußballspiel betrieb. Zunächst am Hippodrom im Tiergarten, dann
gezwungenermaßen, weil vertrieben, in Schönholz auf dem
Gelände der Berliner Schützengilde; der Cricket-Club infizierte
sozusagen den Berliner Norden mit dem Fußballfieber, denn auf
dem »Exerzierplatz an der einsamen Pappel«, dem »Exer« an der
Schönhauser Allee, sollte sich dieser Sport nur wenige Jahre
später auch etablieren. Schließlich kehrte man zurück aufs
Tempelhofer Feld, wo seit 1885 als zweite Mannschaft der Berliner
Fußball-Club Frankfurt seine Heimstatt hatte. Ihn gründete der
aus einer alten Frankfurter Sportlerfamilie stammende Georg Leux.
Das Bezirkskommando des III. Armeekorps in der
General-Pape-Straße erlaubte diesem Klub, das Tempelhofer Feld
für Übungszwecke zu nutzen. Beide Vereine sind Jahre später
wieder aufgelöst worden. |
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| Das
Cricketteam |
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Anders der BFC
Germania. Kurz und knapp ist seine erste Satzung, die Ende 1888
herauskommt. Wert wird auf Disziplin wie auf guten Vereinsgeist
gelegt. Pünktliches Erscheinen zu den im Sommer auf dem
Tempelhofer Feld allsonntäglich stattfindenden Spielen mit
nachfolgender Versammlung sowie zu den im Winter allmonatlichen
Sitzungen wird als unbedingt erforderlich bezeichnet.
Unentschuldigtes Fehlen beim Spiel und in der Versammlung kostet
25 Pfennig, Zuspätkommen 10 Pfennig Strafe. Beim Spiel und in
der Versammlung nach dem Spiel hat jedes Mitglied das
Vereinstrikot zu tragen. Ohne Trikot darf kein Mitglied den Platz
betreten. Allen ist aufgetragen, das vertrauliche »Du« zu
gebrauchen. Der Monatsbeitrag beträgt 50 Pfennig. Das erste
Versammlungslokal liegt in der Bergmannstraße. Zunächst gibt es
außer fleißigem Üben keine sportlichen Höhepunkte. Am 22.
April 1889 wird dem BFC Germania vom Leiter des Generalkommandos
des Gardekorps Berlin »die Genehmigung zur Abhaltung von Spielen
an den Sonntagen auf dem Tempelhofer Felde bis zum 1. April 1890
unter der Voraussetzung erteilt, daß der Platz nicht beschädigt
wird, und unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs dieser
Erlaubnis«. Die Fußballfelder mußten damals immer wieder unter
Verantwortung der Kapitäne (auch »Kaiserspieler« genannt)
abgebaut und so für das Exerzieren frei gemacht werden. Nur sehr
langsam nimmt bei den Germanen die Mitgliederzahl zu. Skepsis
herrscht noch gegenüber den auch gern als »Proleten«
abgestempelten Fußballern. Zudem machen sich einige Unzufriedene
selbständig und gründen am 3. Mai 1889 einen eigenen Verein,
den sie »Marbert«, dann BFC Stern nennen (auch ihn gibt es
heute noch). Wenige Wochen später, am 6. Juni, tritt mit
Viktoria (heute BFC Viktoria 89) ein weiterer Fußballklub in
Erscheinung. Sowohl Germania als auch Viktoria haben von Anfang
an einige Aktive in ihren Reihen, die schon 1886 als Schüler der
186. Gemein- deschule, organisiert von den Lehrern Kopsch
(später Rektor sowie Landtags- und Reichstagsabgeordneter) und
Heide, auf dem Aufmarschgelände des Gardekorps an der
verlängerten Möckernstraße Fußball gespielt hatten. Neue
Mannschaften bilden sich im Berlin von 1890, und am 4. November
jenes Jahres gründet Georg Leux, der sich inzwischen Germania
angeschlossen hat, den »Bund Deutscher Fußballer«. 1890 und
1891 gewinnt der BFC Germania die von diesem Bund veranstaltete
(inoffizielle) Meisterschaft. In Berlin wird dann der ebenfalls
nicht lange bestehende »Deutsche Fußball- und Cricketbund«
gegründet, zwischenzeitlich gibt es auch einen »Thor- und
Fußballbund Berlins«. |
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| Hier ein
Mannschaftsfoto aus dem Jahre 1893, das auf dem Tempelhofer Feld aufgenommen
wurde. Der erste vereinseigene Sportplatz befand sich in der Ringbahnstraße,
also am südlichen Rand des Tempelhofer Feldes. 1905 besuchte der deutsche
Kronprinz Wilhelm ein Spiel von Germania 88; es war der erste Besuch eines
Mitgliedes der kaiserlichen Familie bei einem Fußballspiel. |
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In der Folgezeit
haben die »Germanen«, auch wenn neue Teams mehr und mehr in den
Vordergrund rücken, einen nicht geringen Anteil am
Fußballgeschehen. 1898 schafft der BFC Germania die erste
Jugendabteilung eines Fußballklubs. Der Verein bringt vier
Nationalspieler hervor und stellt insgesamt 22 Spieler für die
Stadtauswahl Berlins. Mit 3:2 Toren gewinnt Germania am 30. April
1905 gegen den bekannten englischen Amateurklub
Civil-Service-London. Trotz eines Wochentages finden sich über 1
000 Zuschauer auf dem Germania-Platz in Tempelhof,
Ringbahnstraße, ein. Aufmerksam wird, besonders vom Militär,
registriert, daß Kronprinz Wilhelm gerade dieses Match
auswählt, um erstmals ein Fußballspiel anzusehen. Statt
vorgesehener 30 Minuten bleibt er zwei Stunden, richtet nach
Spielschluß in englischer Sprache einige Worte an die
Gastmannschaft und überreicht dem »Germanen«-Kapitän einen
von ihm gestifteten silbernen Pokal. Zu den Traditionen des BFC
Germania gehört es, das Verbandsleben, auch über die Grenzen
Berlins hinaus, mitzuprägen. So spielen Georg Demmler und Fritz Boxhammer nicht nur erfolgreich
Fußball, sondern sie sind aktiv an der Gründung und Entwicklung
des Berliner Fußball-Verbandes (1897) und des Deutschen
Fußballbundes (1900) beteiligt.
Georg Demmler ist es auch, der 1898 in Leipzig die
Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik mit ins Leben ruft,
und er wird deren erster Präsident. Auch in der Leichtathletik
und im Cricket werden von den Mannen Germanias in jenen Jahren
nicht wenige Meistertitel errungen. |
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Zu Ehren Georg Demmlers
wird auf dem Städtischen Sportplatz in der Katzbachstraße
eine Gedenktafel enthüllt. |
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